öffentlich-rechtlicher Rundfunk Symbolbild
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Öffentlich-rechtlicher Rundfunk – noch reformierbar?

Mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind im Moment wohl nur noch ganz wenige Menschen zufrieden. Tendentiöse Berichterstattung, geringe Qualität der Eigenproduktionen, exzessive Geldverschwendung und schäbige Pensionsvereinbarungen hinter den Kulissen. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk muss weg, meinen viele Kritiker. Politiker dagegen kämpfen meist für eine Erhaltung – aus Eigeninteresse. Doch kann man als Kritiker auch für das Konzept öffentlich-rechtlicher Medien sein und nur die aktuelle Umsetzung kritisieren?

Die schockierende Nachricht, dass das immernoch bedeutende deutsche Magazin „Der Spiegel“ im Oktober 2021 erneut von der Bill & Melinda Gates Stifung eine stattliche Summe gespendet bekam, nämlich 2,9 Millionen Dollar, fand in deutschen Medien leider wenig Echo. Genauso wenig wie 2018, als „Der Spiegel“ 2,5 Millionan Dollar vom gleichen Spender erhielt. Und wer sich da nicht zumindest wundert, ob der finanziell in Schwierigkeiten geratene „Spiegel“ von da an das Lied desjenigen sang, „des Brot er fraß“, dessen Weltbild hat sich seit den 1970er Jahren vermutlich nicht weiterentwickelt. Journalismus ist nicht, was er mal war, „Gekaufte Journalisten“, wie Journalismus-Legende Udo Ulfkotte in seinem gleichnamigen Bestseller entlarvte, bestimmen die Schlagzeilen und die Medientrends in öffentlichen wie privaten Mainstream-Medien.

Das Bauchgefühl sagt Anti-GEZ-Aktivisten, dass sie den erzwungenen Rundfunkbeitrag vermeiden möchten, sodass zumindest öffentlich-rechtlicher Rundfunk verschwindet. Doch was passiert dann? – Sind wir dann frei von der Tyrannei der gekauften Journalisten, der „Propaganda-Bollwerke“, wie Kritiker skandieren? – Ich denke nicht, denn dann kommen wir in „amerikanische Verhältnisse“. In den USA spielen Medien öffentlich-rechtlicher Natur kaum eine Rolle, große private Kanäle dominieren die Medienlandschaft. Dennoch zeigt sich ein ähnliches Bild wie in Deutschland: tendentiöse Berichterstattung, Skandale, Zuschauerbeleidigung, Propaganda. Zumindest wird der Zuschauer nicht gezwungen, dafür Geld zu zahlen, das ist natürlich richtig.

Ein anderer Weg

Ich möchte eine Lanze dafür brechen, das GEZ-System durch einen kleinen Kniff zu ändern und es damit binnen weniger Jahre komplett gesund umzubauen. Der Trick besteht aus 2 Elementen

  1. Der Rundfunkbeitrag wird nicht mehr nur an „staatlich-genehmigte“ Rundfunkanstalten verteilt. Im Gegenteil: JEDER kann sich als monatlicher Empfänger „öffentlich-rechtlicher“ Geldmittel bewerben. Einzige Bedingung: Der Bewerber muss (1) tatsächlich öffentlich konsumierbare Medien in deutscher Sprache bzw. universeller Bild- und Tonsprache produzieren (2) mindestens 1 mal in der Woche abliefern. Sei das ein Bild, ein Textbeitrag, ein Audiobeitrag oder ein Video, die Qualität wird nicht gewertet.
  2. Die Verteilung des Beitrags wird von den Beitragszahlern selbst bestimmt. Möchte der GEZ-Zahler seinen Beitrag in voller Höhe seinem Lieblings-Podcast zukommen lassen, dann geschieht genau das. Möchte der Beitragszahler 50% an einen Künstler schicken, dessen Gemälde er bewundert, und 50% an einen Musiker, den er gerne hört, dann geschehe genau jenes. Der positive Nebeneffekt wäre, dass damit nebenbei auch die vielfältige deutsche Künstler-Szene wieder belebt und finanziert würde. Der Prozess der Verteilung geschieht kinderleicht über ein Online-Portal.

Generell würde diese Umstrukturierung zu einer positiven „Explosion“ an Kreativität, Echtheit und Unabhängigkeit in den Bereichen Journalismus, Kunst, Musik, Videos, Podcasts und Unterhaltung führen. Genau der Auftrag, den öffentlich-rechtlicher Rundfunk zwar hat, aber eben nicht mehr erfüllt.

Ist „öffentlich-rechtlicher“ Zwang vertretbar?

Zum Abschluss muss die Frage geklärt werden, ob ein Zwang zur Abführung „öffentlich-rechtlicher“ Gebühren moralisch vertretbar ist. Diejenigen, die am bisherigen System nichts zu meckern hatten, werden die Frage sicherlich mit JA beantworten. Doch die GEZ-Kritiker, die sich bereits jetzt juristisch gegen die GEZ-Gebühren wehren und dafür sogar ins Gefängnis gehen, lassen sich mit dem Argument „das war doch schon immer so“ nicht abspeisen.

Ich möchte mich dagegen pragmatisch für eine Gebrührenpflicht aussprechen. Ich denke, 15 Euro pro Monat wären tolerierbar und – wie bisher – in Härtefällen natürlich aussetzbar. Wenn man mit dem Prinzip von Steuern allgemein einverstanden ist und nur über die Gesamthöhe und das System Diskussionsbedarf sieht (ich denke, die Steuern sind zu hoch und bevorzugen Konzerne und Super-Reiche viel zu sehr), dann bleibt nur noch die Frage, ob eine Mediensteuer (welche der Rundfunkbeitrag de facto ist) gerechtfertigt ist. Ich stehe dazu mit einem klaren Ja. Meine Begründung: das Beispiel oben mit dem „Spiegel“, welches nur ein Beispiel von tausenden ist, da viele Zeitungen und Magazine nicht nur von Spenden, sondern auch von Werbung leben, der Verkaufspreis spielt nur noch eine marginale Rolle. Und natürlich können Zeitungen nie unabhängig von ihren Geldgebern berichten. Ohne Moos nix los. Der normale Leser ahnt davon nichts und glaubt, die Zeitungen würden sein Interesse nach wahrheitsgemäßen Nachrichten bedienen, während die Zeitungen gezwungen sind, die Public Relations Vorgaben aller Konzerne zu befolgen, die regelmäßig bei ihnen werben. Eine Mediensteuer verpflichtet den Steuerzahler, eine unabhängigen Medientopf zu befüllen und so die Macht von Konzernen einzuschränken. Und mit meiner oben vorgeschlagenen Reform hätte der Steuerzahler dann aber wieder volle Kontrolle über sein Medienbudget und kann die kleinen oder großen Medien unterstützen, die er möchte.

Die 8,1 Milliarden Euro öffentlich-rechtlicher Rundfunkeinnahmen jedes Jahr wären ein absoluter Segen für die unabhängige Medienszene, den freien Journalismus und die komplette Künstlerszene in Bild und Ton in Deutschland. Claus Klebers Honorar von 600.000 Euro pro Jahr könnte 15 Künstler finanzielle Sicherheit bieten und ihnen ermöglichen, eine Familie zu ernähren. Ein einziger Tatort allein kostet 1,5 Millionen Euro, alle Tatorte 56 Millionen im Jahr und könnten damit 1400 freie Journalisten, Maler, Musiker, Video-Macher und Podcaster ein Jahr lang durchfinanzieren. Würden die GEZ-Zahler sich freiwillig für Claus Kleber oder für die Produktion aller Tatorte entscheiden? – Sicherlich nicht! Und schon allein diese Maßnahme würde die deutsche Medienlandschaft um ein Vielfaches blühender und vielfältiger machen. Und nun stellen Sie sich vor, alle 8 Milliarden würden so organisch und durch den Konsumenten selbstbestimmt neu verteilt werden. Was für ein Segen!

Ich möchte Sie mit diesem Artikel nicht überreden, aber ich möchte Denkanstöße geben. Wie stehen Sie zum aktuellen GEZ-Modell? Ist meine Variante im Vergleich dazu ein Fortschritt? Welche Ideen hätten Sie zur Verbesserung?


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