Nationalismus - Symbolbild
Allgemein

Nationalismus – so schlecht wie sein Ruf?

Patriotismus und Nationalismus waren noch Ende des 19. Jahrhunderts angesehene Begriffe in Deutschland, geradezu Selbstverständlichkeiten. Sie standen für die Wertschätzung der Leistung der Vorväter, für Stolz auf die Errungenschaften des eigenen Landes und Volkes und für eine positive Zukunftsaussicht, in der die Stärke, der Ruhm und Größe des eigenen Volkes sich zukünftig noch vergrößern sollte. Die Bedeutung dieser Begriffe hat sich zumindest im Allgemeinverständnis sehr verändert. Anti-Nationalisten und Patriotiphobiker in den Medien, in der Presse, in den Universitäten und auch in der Politik haben die Begriffe so sehr ins Negative verzerrt, dass insbesondere Nationalismus in Deutschland geradezu automatisch mit Chauvinismus, mit Abewertung, mit Gewalt und letztlich mit Völkermord gleichgesetzt wird. Diese Begriffe müssen unbedingt rehabilitiert werden, wie ich im Folgenden darlegen möchte.

Wikipedia beschreibt Nationalismus in der Einleitung überraschend neutral „Nationalismus ist eine Ideologie, die eine Identifizierung und Solidarisierung aller Mitglieder einer Nation anstrebt und letztere in einem souveränen Staat verbinden will“. Mit anderen Worten: Menschen sind stärker in Verbänden. Ein Stamm ist stärker als eine lose Gruppe ohne gemeinsames Ziel, da die Mitglieder des Stammes im gewissen begrenzten Rahmen freiwillig (!) Teile ihrer Individualität aufgeben, um tatkräftig mit einem gemeinsamen Willen koordiniert viel mehr zu erreichen als die Summe der Mitglieder. Eine Nation wiederum ist der große Bruder des Stammes, insofern die Mitglieder der Nation im Nationalismus sich sozusagen zu einem „Riesen-Lebewesen“ zusammenschließen, einem Verbund von tausenden oder Millionen Menschen, um an einem gemeinsamen Ziel mitzuwirken und dieses Ziel so schneller oder überhaupt erst zu erreichen.

Dieses Ziel ist in der Regel ein übergeordnetes Eigeninteresse der Volksangehörigen, zum Beispiel: eine sichere, gesunde Umgebung für die eigenen Kinder, jederzeit ausreichend Lebensmittel für die eigene Familie, technologischer Fortschritt, der dem eigenen Komfort und Wohlstand dient, mehr Freizeit, mehr Spaß, Gelegenheit sich selbst verwirklich.

Diese Ziele wirken zunächst universell für alle Menschen, im Detail allerdings zeigen sich so große Unterschiede, dass manche Ziele einfach gar nicht vereinbar sind. Technologischer Fortschritt für die einen bedeutet schnelle Autos und beeindruckende Computerspiele. Technologischer Fortschritt für die anderen bedeutet: Totalüberwachung und überall Roboter im alltäglichen Leben. Die einen wollen gar keine Kinder oder hassen Kinder gar, die anderen wollen 5 oder 10 Kinder haben. Spaß kann für die einen Drogen bedeuten, während die anderen Drogen weder in ihrem Freundeskreis noch ihrer Familie dulden.

Nationalismus: Gesundheit und Pseudo-Nationen

Was diese Auflistung beweisen soll, ist dass eine Nation nicht erzwungen werden kann bzw. nur solange wie genug Gewalt und Macht in den Händen der Herrschenden ist, um die sich ständig im Bersten befindende Pseudo-Nation vor der Selbstzerstörung zu bewahren. Gesunde Nationen dagegen bestehen aus Individuen, die in der Regel sehr ähnliche Ziele haben und daher mit Leichtigkeit aus ihren ähnlichen Zielen ein gemeinsames Ziel stricken können. Diese sehr ähnlichen Menschen müssen daher nur einen kleinen Teil ihrer Individualität aufgeben, um Teil der Nation zu werden, da die Nation ein Zusammenschluss der Ähnlichen mit den Ähnlichen ist. Eine künstliche Pseudo-Nation dagegen ist ständig von inneren Konflikten geplagt, die auf der unvereinbaren Unterschiedlichkeit ihrer Zwangsmitglieder basiert und somit immer mehr „Toleranz“ für eine nicht zu tolerierende Situation fordert und so eine tickende Zeitbombe darstellt.

Überfluss ist eine gute Messlatte für die Gesundheit einer Nation. Je mehr wirtschaftlicher Überfluss besteht, umso weniger sind die Individuen auf eine Nation angewiesen. Ein „künstlicher“ Staat, der keine nationalen Ambitionen braucht, reicht als kühler bürokratischer Verwalter, um den wirtschaftlichen Überfluss in geordnete Bahnen zu lenken. Solch ein Staat kann in der Regel – da ungebremst durch einen nationalen Willen des Volks – zu einem parasitären System degenerieren, welches die Wirtschaftskraft absaugt und somit den vorherigen Überfluss komplett aufbraucht und vernichtet.

Aber bevor dies geschieht, zeigt sich an der Bevölkerung eines: Gibt es trotz des Reichtums noch einen Nationalismus, nationalen Zusammenhalt, ein gemeinsames Selbstverständnis und die Verfolgung gemeinsamer Ziele, was sich häufig in Ehrenamt, nationaler Rhetorik und bahnbrechenden Fortschritten zeigt? – Ist dies der Fall, dann ist die Nation aus relativ ähnlichen „homogenen“ Individuen zusammengesetzt, die auch ohne den harschen Druck des Mangels zusammenarbeiten, einfach weil sie sich so ähnlich sind und sich gegenseitig verstehen. Ist dies nicht der Fall und herrscht im Gegensatz eine Rhetorik von „Vielfalt“, „Buntheit“ und „Toleranz“, dann ist dies bereits ein klares Zeichen für den Niedergang einer Pseudo-Nation, deren zu große Unterschiedlichkeit sie von innen zerreißt.

Der menschliche Körper – Analogie für den Staat

„Vielfalt und Buntheit und Toleranz“ sind Beschwörungsformeln, um den Nutzen von Heterogenität zu betonen und um Heterogenität weiter aufrecht zu erhalten. Was aber heißen diese obskuren Begriffe wirklich? – Um dies und den Nationalismus besser zu verstehen, bedienen wir uns einer Analogie: Der Nation sei ein menschlicher Körper gleichgesetzt, die Zellen des Körpers sind die individuellen Menschen und der Staat wiederum ist die „Funktionskleidung“, die der Körper trägt.

Stellen wir uns einen normalen Körper vor. Der menschliche Körper besteht 30 Billionen Zellen, das sind extrem viele. Wenn diese Zellen nicht miteinander kooperieren, stirbt der Körper in kurzer Zeit. Zum Glück haben die meisten dieser Zellen die exakt gleiche DNA. Sie haben das gleiche Grundprogramm, sie haben die gleiche Agenda. Keine dieser Zellen muss sich „anstrengen“, um das gleiche zu wollen wie die anderen Zellen, denn im Kern sind all diese Zellen gleich. Ebenso verhält es sich mit einer Nation. Nur wenn der Großteil der Menschen sich ähnlich ist, hält die Nation organisch zusammen und bildet einen „Gesamtkörper“.

Laut Schätzungen existieren am menschlichen Körper auch jede Menge fremder Zellen – Mikroben und Bakterien. Am Körper leben etwa ebenso viele Organismen (meist Einzeller) wie es Körperzellen gibt. Wichtig, ich sagte „AM“ Körper, denn diese Mikroben und Bakterien leben auf der Haut, an den Schleimhäuten und im Darm. Der Darm, die Mundhöhle und andere Schleimhäute gelten als „außerhalb“ des Körpers, der Darm ist sozusagen eine Einstülpung der Außenwelt ins menschliche Innere, damit in dieser „neutralen Zone“ (Marktplatz) Lebensmittel und Abfallstoffe ausgetauscht werden können. Es gibt auch „fremde“ Bakterien in inneren Organen, aber diese Stellen nur einen Bruchteil dar. Der absolute Löwenanteil „fremder“ Zellen ist nicht IM Körper, sondern AM Körper. Das heißt: Ein harmonischer Körper besteht zum Großteil aus homogenen Zellen, die alle das gleiche Ziel haben und ohne Probleme miteinander kooperieren. Fremde Zellen und Organismen sind im großen Stil nur außerhalb des Körpers und in „neutralen Handelszonen“ zu finden.

Welche Gefahr besteht, wenn fremde Zellen sich im Körper ansiedeln? – Infektionen, Vergiftung und sogar der Tod des gesamten Organismus könnte die Folge sein. Im Körper geht das natürlich schneller als in einer Nation, aber der Prozess ist ähnlich, wie wir immer wieder in der Geschichte beobachten könnten, wenn eine Volksgruppe in großer Zahl in die Heimat einer anderen Volksgruppe einfiel.

Wie geht der Körper normalerweise mit Eindringlingen um? – T-Zellen und Phagen zerstören und fressen die Eindringlinge und leiten sie aus dem Körper aus. In der Makro-Welt (Nationalismus) könnte man eine Ausweisung gleichsetzen, sollten „Fremde“ in einem Land Chaos verursachen und Verbrechen begehen.

Nimmt die Anzahl der fremden Zellen zu, welche Infektionen auslösen, funktioniert der Körper bald nicht mehr richtig und „zerfällt“ (stirbt). Vorher aber meldet der Körper dem Gehirn mit Entzündungen, dass etwas nicht stimmt. Das könnte man gleichsetzen mit Protesten und Petitionen, um die Regierung wachzurütteln. Will das Gehirn nicht reagieren, dann versucht es, die Entzündung zu ignorieren und die Immunreaktion zu unterdrücken. In unserer Makro-Welt entspricht dies der Forderung nach „Buntheit, Vielfalt und Toleranz“. „Buntheit und Vielfalt“ ist der Versuch des Gehirns, sich eine Entzündung auszureden. Die fremden Zellen werden als „nützlich und gesundsheitsspendend“ umgedeutet. „Toleranz“ wiederum entspricht der Deaktivierung des Immunsystem, zB durch Einnahme bzw. Ausschüttung von Cortison. Das Immunsystem greift damit Fremdstoffe nicht mehr so aggressiv an, was zu einer Vermindung der Entzündung führt.

Nationalismus: Abschließende Gedanken

Mir ist bewusst, dass einige Vergleiche mit dem Körper zu rabiat und extrem klingen könnten. Insofern soll hier nicht der Fehler gemacht werden, den Körper 1-zu-1 mit einer Nation oder einem Staat gleichzusetzen. Dennoch wirken natürlich grundlegende Naturprinzipien, die im Staat und Körper gleich sind. Es sei dem Leser überlassen, selbst zu bewerten und zu entscheiden, welches Prinzip übertragbar und welches nicht anwendbar ist.

Eines steht für mich jedoch fest: Der Nationalismus war nicht von ungefähr die beliebteste Ideologie des 19. Jahrhunderts. Und nicht umsonst sind die heute erfolgreichsten Staaten extrem nationalistisch: China und Israel. Die USA verliert seit einigen Jahren ihren nationalistischen Charakter und verfällt ähnlich wie Deutschland in Selbsthass und verschwindet in gleichem Maße wie Deutschland Schritt für Schritt in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit.

Natürlich sollten die Fehler des Nationalismus in der Vergangenheit geprüft und diskutiert werden. Aber die Ersatzversuche für Nationalismus wie Sozialismus, Kommunismus oder „Raubtier-Kapitalismus“ sind meines Erachtens grandios gescheitert. Warum nicht also einen Blick zurück auf das werfen, was früher als gut empfunden wurde und aus heutiger Sicht neu bewerten und vielleicht in verbesserter, menschenwürdiger, positiver Form erneut probieren?


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